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16.5. Die Anarchotour (LeseWandertag im Meininger Land)


Auf den Spuren Erich Mühsams zur Bakuninhuette
16.05.2015; 10:00 Uhr Treffpunkt Schloßhof Elisabethenburg, Meiningen (geführt von Dr. A. Seifert und musikalisch begeleitet von Christoph Holzhöfer: a.seifert [at] meiningermuseen.de; Tel.: 03693 - 502848)


LeseWanderTag: Die Anarchotour
Auf den Spuren Erich Mühsams zur Bakuninhütte

Zu den geheimnisumwitterten Orten in der Umgebung von Meiningen zählt die Bakuninhütte auf der Hohen Maas. Kein Wunder, denn die Geschichte, die sich um das Gebäude rankt, war weitestgehend in Vergessenheit geraten. Sie begann mit der Gründung einer hiesigen Ortsgruppe der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) im Jahr 1919. Die basisdemokratisch operierenden Anarchosyndikalisten zählten damals in Meiningen etwa dreißig Mitglieder. 1920 erwarben sie auf der Hohen Maas eine Fläche zur Selbstversorgung mit Obst, Gemüse und Kartoffeln. Ab 1925 wurde das Gelände als Freizeitareal Meininger Arbeiterfamilien genutzt. In diesem Zusammenhang kam es zum Bau einer Unterkunft, die 1928 eingeweiht und 1932 erweitert worden ist. Namensgeber war der russische Anarchist Michail Bakunin (1814 – 1876). Bald war die Bakuninhütte überregional bekannt und diente auch politischen Veranstaltungen. Bei solchen Gelegenheiten war auch der bekannte anarchistische Schriftsteller und Politiker Erich Mühsam (1878 – 1934) hier zu Gast. Dies gab den Anlass, zum traditionellen LeseWanderTag des Meininger Literaturmuseums den Beziehungen Mühsams zu dieser Stadt nachzugehen. Partner ist dabei der Wanderverein Bakuninhütte, der sich seit Jahren um das Kulturdenkmal oberhalb Meiningens kümmert. Die etwa sechsstündige Rundwanderung beginnt Samstag, 16. Mai um 10 Uhr im Schlosshof. Von dort führt der Weg über die Stationen Wolfsschlucht, Parkfriedhof und Donopskuppe zur Bakuninhütte. Unterwegs wird Wanderleiter Andreas Seifert nicht nur mit Erich Mühsam bekannt machen, sondern auch über interessante Begebenheiten im Raum Meiningen zwischen Kaiserreich und Nazizeit berichten. Dazu trägt der bekannte Gitarrist und Sänger Christoph Holzhöfer aus Berlin Lieder nach Mühsam-Texten vor. An der Bakuninhütte erwarten Mitglieder des Wandervereins die Teilnehmer zu einer Mittagsrast mit warmen Speisen und Getränken. Zudem stehen Führungen durch die Hütte und das umgebende Gelände mit Informationen zur Nutzungsgeschichte des Areals auf dem Programm. Danach führt die Anarchotour über Webersbrunnen und Stiefelsgraben zurück in die Stadt. Karten für die Wanderung können ab 14. April an der Museumskasse im Schloss Elisabethenburg erworben werden. Wegen Vorbereitung des Mittagessens und Organisation der Hüttenführungen macht sich zudem eine persönliche Anmeldung erforderlich. Diese ist möglich vom 14. April bis 12. Mai unter 03693-881010 bzw. 502848 oder a.seifert [at] meiningermuseen.de.

Text: Meininger Museen, Andreas Seifert

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17.5. - 27.9. "Sich Fügen heisst Lügen" (Sonderausstellung)


Erich Mühsam in Meiningen-
Meiningen und seine Anarchisten

17.05.2015 - 27.09.2015 Sonderausstellung von Erich Mühsam-Gesellschaft, Wanderverein Bakuninhütte e. V., Meininger Museen u. Kulturreferat der Stadt Meiningen
Eröffnung (im Rahmen des Internationalen Museumstages): 17.05.2015 15:00 Uhr Schloß Elisabethenburg, Meiningen - musikalisch begeleitet von Christoph Holzhöfer.


„Sich fügen heißt lügen!“
Ausstellungseröffnung zum Museumstag

Eine für die einstige Residenzstadt Meiningen ungewöhnliche Ausstellung eröffnen die Meininger Museen zum Internationalen Museumstag am 17 Mai. Während in den vergangenen Jahren immer wieder die hiesigen Herzöge und ihre Hofkultur im Zentrum des Interesses standen, wird nunmehr an ein Stück Kulturgeschichte proletarischer Prägung erinnert. Topografischer Bezugspunkt der Ausstellung ist dabei die Bakuninhütte auf dem Bergplateau Hohe Maas oberhalb der Stadt. Ihre Vorgeschichte beginnt im Jahr 1919 mit der Gründung einer Meininger Ortsgruppe der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter-Union Deutschland (FAUD). Die FAUD-Gruppe erwarb das spätere Hüttengelände zunächst als landwirtschaftliche Selbstversorgungsfläche. Ab 1925 diente das Areal hiesigen Arbeiterfamilien als Ausflugsziel. Die 1927 errichtete Bakuninhütte wurde rasch über die Region hinaus bekannt. Im Jahr 1930 besuchte sie auch der namhafte Anarchist und Schriftsteller Erich Mühsam (1878 – 1934) mehrfach. Diese Verbindung von Literatur- und proletarischer Kulturgeschichte führte Erich-Mühsam-Gesellschaft, Wanderverein Bakuninhütte und Meininger Museen zusammen. Ein Ergebnis dieser Partnerschaft ist die Ausstellung „Sich fügen heißt lügen!“ - Mühsam in Meiningen und seine Anarchisten, die bis 27. September im Schloss Elisabethenburg gezeigt wird. Das Titelzitat ist einem programmatischen Gedicht Erich Mühsams entnommen. Der erste Teil der Exposition macht mit Leben und Wirken Erich Mühsams als Bohemien, Kabarettist, Publizist, Dichter und Politiker bekannt. Auf über 30 Schautafeln kann der Besucher Mühsams Weg von der Kindheit in Lübeck über die Stationen München und Berlin bis in das KZ Oranienburg verfolgen. Wertvolle Originale ergänzen die Schau. Der zweite Ausstellungsteil informiert über die Geschichte der Bakuninhütte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Über 500 Exponate aus Stein, Holz, Metall und Papier veranschaulichen den Werdegang dieses seltenen Denkmals anarchosyndikalistischer Bestrebungen in Deutschland. Eingebunden in den zweiten Ausstellungsteil sind eine Einführung in die Geschichte des Anarchismus und Syndikalismus sowie ein Streifzug durch andere Formen alternativer Lebenskultur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellungseröffnung findet um 15 Uhr in der Schlosskirche statt. Neben zwei Einführungsvorträgen ist der Berliner Liedermacher Christoph Holzhöfer zu erleben, der eigene Vertonungen von Mühsam-Gedichten zu Gehör bringt. Zum Internationalen Museumstag gibt es einen Sondereintrittspreis von 1 Euro, der zum Besuch aller Museumsausstellungen (Schloss, Theatermuseum, Baumbachhaus) berechtigt. Der Erlös kommt wie in den vergangenen Jahren der Restaurierung eines historischen Sammlungsstückes der Meininger Museen zugute.

Text: Meininger Museen, Andreas Seifert

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11.6.-14.6. Fachtagung "Erich Mühsam in Meiningen.."


"Erich Mühsam in Meiningen. Ein historischer Überblick zum Anarchosyndikalismus in Thüringen: Die Bakuninhütte und ihr soziokultureller Hintergrund." (Fachtagung)
11.06.2015 - 14.06.2015 Volkshochschule "Eduard Weitsch", Meiningen.


Ein historischer Überblick zum Anarchosyndikalismus in Thüringen:
Die Bakuninhütte und ihr soziokultureller Hintergrund.

Unter dem Motto „Spurensuche“ im Leben, Werk und Wirken Erich Mühsams entstand die Idee zu dieser Fachtagung. Erich Mühsam als Sympathisant, ja engagiertes Mitglied der syndikalistischen Bewegung und als politischer Dichter und Denker hat die Erich-Mühsam-Gesellschaft nach Meiningen geführt, denn auch ihn erreichte die Kunde von der Bakuninhütte bei Meiningen.
Der erst kürzlich verstorbene Berliner Historiker Dr. Andreas Graf äußerte in einem Radio-Interview im Jahr 2009: „Im akademischen Bereich gibt es einen merkwürdigen Vorbehalt gegenüber der Beschäftigung mit dem Thema anarchistischer und anarchosyndikalistischer Bewegungen ...“ und fährt fort: „Die anarcho-syndikalistischen Bewegungen sind heute weitgehend vergessen. Zu DDR-Zeiten reklamierte man den Widerstand gegen die Nazis, auch die revolutionären Ereignisse nach dem Kapp-Putsch, für die (autoritär orientierten) Kommunisten. Der Wanderverein „Bakunin-Hütte e.V.“ will heute an diese verschüttete Kultur- und Arbeiterbewegung erinnern.“
Und das zu Recht: Denn trotz ihrer auch heutzutage immer noch marginalen und marginalisierten Stellung und Beachtung im Rahmen der Arbeiterbewegung verfügte die Organisation der Anarchosyndikalisten, die Freie Arbeiter-Union Deutschland (FAUD) 1921 immerhin über mehr als 150.000 Mitglieder und leistete neben anderen linken Kleinorganisationen proportional den größten Beitrag zum aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus. In einigen Gebieten und Städten blieb die FAUD eine bestimmende politische und vor allem kulturell wirkende Kraft, so in der Erwerbslosen- und Freidenker-bewegung.
In ihren Hochburgen im Ruhrgebiet und im thüringischen Sömmerda hatten die Anarchosyndikalisten mehr Mitglieder als die Sozialdemokraten oder die Kommunisten.
Sie unterhielten bis zur NS-Machtergreifung mehrere kulturelle Vereine, so zum Beispiel die Gilde freiheitlicher Bücherfreunde (GfB), anarchistische Frauen- und Jugendbünde, sogar Sportvereine, etwa die „Freien Schwimmer“ in Sömmerda; ebenso gab es in der Boheme- und Künstlerszene Anarchisten. Auch gründeten sie Bau-, Siedlungs- und Konsumgenossenschaften. Die Fachtagung ist thematisch breit angelegt, da sie eine Vielzahl eher unbekannter historischer Gegebenheiten und deren gegenwärtige Bedeutung sowohl mit lokalen Ereignissen als auch mit überregionalen Phänomenen verknüpft. Im Rahmen der nur wenig bekannten Geschichte der anarchosyndikalistischen Bewegung in Deutschland lassen sich Zentren ihrer Aktivitäten u.a. auch in Thüringen festmachen, hier besonders in den Stadt Sömmerda im Norden, in der Thüringer Städtekette von Eisenach bis Gera und schließlich im Südwesten in der Region um Suhl bis nach Meiningen. Diese marginalisierte Geschichte bildet daher den geografischen Ausgangspunkt und den thematischen Bezugsrahmen der vom Wanderverein Bakuninhütte e.V. Meiningen, der Erich-Mühsam-Gesellschaft e.V. Lübeck und dem Literaturmuseum Baumbachhaus Meiningen geplanten Fachtagung, die vom 11. bis 14. Juni 2015 in Meiningen stattfindet.
Trotz der marginalen Stellung der anarchosyndikalistischen Bewegung bietet diese produktive Anknüpfungspunkte für die Demokratieerziehung heute: Schließlich waren die Anarcho- syndikalisten Gegner und damit auch Opfer sowohl der Nationalsozialisten als auch aller autoritären sozialistischen Systeme. Dabei verstanden sie sich selbst immer als basisdemokratisch. Mit ihrem Fokus auf Kulturarbeit sprachen sie nicht nur eine gesellschaftliche Elite, sondern, soziale Schichten übergreifend, alle Menschen an.
Tiefere Einblicke wird es in die Jugendarbeit der Syndikalisten geben, da vor Ort das erste Reichsferienlager der Syndikalistisch Anarchistischen Jugend Deutschlands (SAJD) stattgefunden hat und es eine ihrer Ortsgruppen in Meiningen gab. In der jüngeren Forschung zu diesem Themenkomplex wird deutlich, dass der Anarchosyndikalismus in der Weimarer Republik vieles von den alternativen Entwürfen vorweggenommen hat, die später in den „neuen Alternativbewegungen“ der Bundesrepublik wieder zu Aktualität gelangten und dort zur Verwirklichung basisdemokratischer Vorstellungen führen sollten.
Die Vorträge zur Bakuninhütte und zur anarchosyndikalistischen Bewegung in der Weimarer Republik sowie zu etlichen ihrer führenden Persönlichkeiten, die zum Teil auch in engerem persönlichen Kontakt und Austausch mit Erich Mühsam und den Meininger Syndikalisten standen, werden ergänzt durch ein künstlerisches Rahmenprogramm, eine kulturgeschichtliche Tageswanderung sowie die Doppelausstellung „Sich fügen heißt lügen!“.

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